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Denguefieber

Auslöser des Denguefiebers ist das Dengue-Virus. Es wird durch bestimmte Mücken übertragen. Typische Krankheits-Symptome sind starke Muskel- und Knochenschmerzen sowie mehrtägiges Fieber

Was ist das Dengue-Fieber?

Das Dengue-Fieber ist eine Virus-Erkrankung, die durch bestimmte Mückenarten, den sogenannten Tiger-Mücken (Aedes, Synonym: Stegomyia), übertragen wird. Das Dengue-Fieber gilt mit mehr als 100 Millionen Fällen weltweit als die häufigste, durch Moskitos übertragenene Viruserkrankung und zählt zu den häufig importierten viralen Infektionen auch bei deutschen Reiserückkehrern.

Dengue-Viren (Familie: Flaviviren) lassen sich in vier verschiedene Untergruppen (Serotypen) einteilen. Diese werden als DENV-1 bis DENV-4 bezeichnet. Die Infektion mit einem der vier Typen hinterlässt zwar eine Immunität gegen den entsprechenden Serotyp, sowie vermutlich kurzzeitig gegen die restlichen drei. Langfristig scheint dies allerdings nicht vor weiteren Infektionen mit den anderen Serotypen zu schützen, sondern könnte sogar eine schwerere Verlaufsform begünstigen, da einige Daten darauf hinweisen, dass schwerere Verläufe häufiger bei erneuten Infektionen mit einem der anderen Serotypen auftreten. Die deutsche Gesellschaft für Tropenemdizin (DTG) rät nicht dazu nach einer durchgemachten Infektion auf weitere Reisen in Risikogebiete zu verzichten.

Denguefieber: Ausbreitung durch Reisen und Globalisierung

Beschreibungen, die auf Denguefieber schließen lassen, sind bis ins Jahr 1635 in Panama zurückverfolgbar. Andere Quellen sehen erste denguetypische Symptome schon in Aufzeichnungen aus der chinesischen Jin-Dynastie um 300 nach Christus.

Eine Identifizierung und Unterscheidung der vier verschiedenen Dengue-Virustypen gelang erst Mitte des 20. Jahrhunderts. In diesem Zeitrahmen wurde auch der Zusammenhang zwischen dem Denguevirus und einer Erkrankung mit starker Blutungsneigung und häufig tödlichen Folgen hergestellt – dem hämorrhagischen Denguefieber oder Dengue-Schock-Syndrom.

Im Rahmen der weltweiten militärischen Truppenbewegungen, der fortschreitenden Urbanisierung, Globalisierung und der zunehmenden individuellen Mobilität breiteten sich die unterschiedlichen Denguetypen im 20. Jahrhundert global in allen Regionen mit vorhandenen Überträgermöglichkeiten aus. Im Rahmen einer Pandemie im Jahre 1998 erkrankten über eine Million Menschen weltweit. Ein weiteres Ausbreiten der Krankheit ließ sich bisher nicht verhindern und sie ist inzwischen in so gut wie jedem Land zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreis endemisch.

Eine Krankheit – viele Namen

Denguefieber ist bei der Bevölkerung der einzelnen Verbreitungsgebiete unter verschiedenen Namen bekannt: etwa "Break-Bone-Fever" (Knochenbrecherkrankheit), "Knockelkoorts" (Knochenfieber) oder "Drei-, Fünf- oder Siebentagefieber". Alle beziehen sich treffend auf die Symptome mit stärksten Schmerzen.

Die ursprüngliche Herkunft des Namen "Dengue" ist umstritten. Früher wurde die Erkrankung häufig als "Dandy-Fever" bezeichnet, was auf eine schmerzbedingte, auffällige Veränderung der Körperhaltung und Gangart, ähnlich der steifen Gangart der englischen Dandys, zurückzuführen ist. Im Spanischen bedeutet "hacer dengue" so viel wie "sich zieren". Das könnte auf einen sich vor Schmerzen zierenden Erkrankten hinweisen. Eine andere mögliche Erklärung für die Namensgebung: Dengue als Abwandlung des afrikanischen Kisuaheli-Wortes "Dinga" – der Bezeichnung für einen krampfartigen Anfall, ausgelöst durch einen bösen Geist.

Verbreitung: Wo und wie häufig gibt es Denguefieber?

Denguefieber gilt als die häufigste durch Stechmücken übertragene virale Erkrankung. Sie kommt vor allem in Südostasien, Teilen von Asien (Indien, Pakistan, Afghanistan), Süd- und Mittelamerika, Afrika und Australien vor, also vor allem in tropischen und subtropischen Regionen. In Sri Lanka, Vietnam und Thailand fand sich ein deutlicher Anstieg der Dengue-Infektionen im Jahr 2017.

Seit 2007 gilt das Dengue-Fieber auf der portugisischen Atlantikinsel Madeira als endemisch, über eintausend Personen erkrankten dort im Jahre 2012. Auch entlang des Schwarzen Meeres in Russland und Georgien sowie in Regionen um das rote Meer in Ägypten siedelt sich die Mücke zunehmend an.

Die Mücken brauchen gewisse Mindesttemperaturen. Begrenzt wird ihre Verbreitung daher durch klimatische Faktoren – im Norden durch die sogenannte 10°C Januar Isotherme und im Süden durch die 10°C Juli Isotherme. Durch die globale Erwärmung muss mit einem vermehrten Auftreten der Erkrankung in bisher nicht betroffenen Gebieten wie den meisten Teilen Europas gerechnet werden. Meldungen berichten über die Ankunft der Aedes-aegypti-Mücke auf den Kanarischen Inseln im Dezember 2017 und es wird befürchtet, dass sich die Mücke auch vermehrt auf Kontinentaleuropa ausbreiten kann.

Ursachen: Wie wird Denguefieber übertragen?

Das Virus wird fast ausschließlich durch einen Überträger (Vektor) verbreitet. Hierbei handelt es sich um verschiedene Mückenarten. Am weitesten verbreitet ist hier die Gelbfieber-Mücke (Stegomyia aegypti), auch ägyptische Tigermücke genannt (siehe Abbildung). In manchen Regionen spielen auch die asiatische Tigermücke (Stegomyia albopictus) oder die polynesische Tigermücke (Stegomyia polynesiensis) eine wichtige Rolle.

Vor allem die asiatische Tigermücke hat ihren Wirkraum in den letzten Jahren auf Europa ausgedehnt. Bei mehreren anderen Mückenarten konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass sie für eine mögliche Übertragung des Virus geeignet wären.

Die Mücken kommen vor allem in der Umgebung menschlicher Besiedlung vor. So verbreiten sie das Dengue-Virus besonders im städtischen Raum. Sie legen ihre äußerst widerstandsfähigen Eier nahe kleiner Wasseransammlungen ab – finden zum Beispiel in Eimern, Flaschen, alten Autoreifen oder Regentonnen ideale Brutplätze. Infizierte Weibchen können den Erreger direkt an ihre Nachkommen weitergeben.

Die Übertragung des Dengue-Virus erfolgt beim Stich weiblicher infizierter Mücken. Nicht infizierte Mücken können sich beim Blutsaugen an einem infizierten Menschen "anstecken".

Meist stechen die Mücken tagsüber, bevorzugt in den Morgen- und Abendstunden und oft mehrmals. Männliche Mücken können das Virus nicht übertragen, da sie kein Blut saugen.

Symptome des Dengue-Fiebers

Man unterscheidet zwischen dem klassischen Verlauf des Denguefiebers und demhämorrhagischen Denguefieber/Dengue-Schock-Syndrom. Die Inkubationszeit dauert zwischen drei und vierzehn Tagen, durchschnittlich beträgt sie zwischen vier und sieben Tage.

Klassischer Verlauf: Im klassischen Fall tritt innerhalb weniger Tage nach der Infektion schlagartig hohes Fieber bis 40°C auf. Typisch sind stärkste Muskel-, Gelenkschmerzen und Knochenschmerzen, häufig auch Kopfschmerzen oder ein Druckschmerz hinter dem Auge. Gelengentlich kann der Betroffene aufgrund der Schmerzen nicht mehr gehen oder stehen.

Begleitend können allgemeine Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Verstopfung oder Durchfälle, Husten und Lymphknotenschwellung auftreten. Es besteht ein schweres Krankheitsgefühl. Eine rötliche Färbung der gesamten Haut (Erythem) ist zu Beginn häufig zu beobachten.

In vielen Fällen sinkt das Fieber nach zwei bis drei Tagen kurzzeitig ab, um dann erneut anzusteigen. Wenige Tage nach Krankheitsbeginn zeigt sich bei vielen Erkrankten ein kleinfleckiger rötlicher Ausschlag mit ausgeprägtem Juckreiz, der sich von alleine zurückbildet. Gelegentlich kann es zu Nasen- oder Zahnfleischblutungen kommen.

Üblicherweise klingen alle Symptome im Verlauf einer Woche ohne Folgeschäden ab. Es kann jedoch zu einer noch Wochen andauernden Schwäche mit Erschöpfungsgefühl kommen.

Hämorrhagisches Denguefieber / Dengue-Schock-Syndrom: Vor allem bei Kindern kommt dieser schwere Verlauf vor. Er macht insgesamt etwa ein bis fünf Prozent aller Fälle aus. Die Muskel-, Gelenk- und Knochenschmerzen können hier fehlen. Nach wenigen Tagen kommt es zu einer plötzlichen Verschlechterung mit Blutungen, insbesondere im Hautbereich, und starkem Abfall der Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten). Durch Blutungen im Magen-Darm-Bereich kann es zu Bluterbrechen und blutigem Stuhlgang kommen. Häufig sind Nasen- und Zahnfleischbluten. In den meisten Fällen normalisiert sich die Blutgerinnung nach wenigen Tagen wieder.

Theoretisch sind Blutungen in allen Organen des Körpers möglich (zum Beispiel in Lunge oder Gehirn). Bei den schweren Verlaufsformen kommt es zu einer erhöhte Durchlässigkeit der Gefäßwände für Flüssigkeiten (capillary leak). Dieses Leck der Kapillarwände führt zu einem großen Flüssigkeitsverlust von den Gefäßen in den Körperraum, so dass es zu einem Volumenmangel innerhalb der Gefäße kommt. Ohne Therapie droht ein lebensgefährlicher Schock mit Kreislaufversagen.

Die WHO unterscheidet inzwischen nicht mehr vorwiegend zwischen dem klassischen Verlauf und dem Dengue hemorrhagic fever mit verschiedenen Schweregraden, sondern zwischen Denguefieber, Denguefieber mit Warnsymptomen (die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf darstellen) sowie schwerem Dengue Fieber (mit schwerem Flüssigkeitsverlust, schweren Blutungen oder schweren Organschäden).

Während eine Erstinfektion häufiger eher harmlos und grippeähnlich verläuft, kann es bei einer zweiten oder dritten Infektion vermehrt zu einem schweren hämorrhagischen Dengue-Fieber mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 30 Prozent kommen, wobei besonders Kleinkinder gefährdet sind. Diese schweren Verläufe werden auf infektionsverstärkende Antikörper zurückgeführt.

Diagnose: Wie stellt der Arzt Denguefieber fest?

Die typischen Symptome weisen auf die Erkrankung hin. Mit Blutuntersuchungen lässt sich die Diagnose bestätigen. Schnelltests (Enzyme-linked Immunosorbent Assay, NS1-Antigen-Nachweis) bieten ab dem ersten Tag der Infektion eine gute, einfache Diagnosemöglichkeit. Das Ergebnis bietet jedoch keine vollständige Sicherheit. Des Weiteren bilden sich im Laufe der Erkrankung Antikörper im Blut des Patienten, welche über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben können und somit auch eine stattgehabte Infektion nachweisen können. Die Antikörperdiagnostik ist im Normalfall ausreichend und eine Bestimmung des Serotyps nicht notwendig. Ab dem fünften Krankheitstag lässt sich das Dengue-Virus anhand seines Erbgutes innerhalb eines Tages direkt nachweisen (PCR). Mit diesem PCR-Verfahren können auch einzelne Serotypen unterschieden werden.

Im Blutbild kann die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten), die für eine funktionierende Blutgerinnung notwendig sind, stark abfallen.

Klinisch lässt sich der sogenannte Tourniquet-Test einsetzen, bei dem eine Blutdruckmanschette am Arm zwischen systolischem und diastolischem Blutdruckwert aufgepumpt wird und anschließend nachgesehen wird, ob sich am Unterarm kleine Einblutungen ergeben haben.

Die Diagnose muss nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz (IfSG) an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden.

Therapie: Wie kann man Denguefieber behandeln?

Eine ursächliche Therapie steht aktuell nicht zur Verfügung. Der Arzt empfiehlt eventuell bestimmte schmerz- und fiebersenkende Medikamente. Wirkstoffe, die sich auf die Blutgerinnung auswirken – wie Acetylsalicylsäure – sollten aber strikt gemieden werden.

Verläuft die Krankheit schwerer, muss eine rasche Krankenhauseinweisung erfolgen. Die Ärzte geben Flüssigkeit als Infusion über die Vene, um einen Schockzustand zu verhindern. In manchen Fällen ist die Gabe von Blutkonserven oder eine intensivmedizinische Betreuung notwendig.

Vorbeugen: Wie kann man sich vor Denguefieber schützen?

Für Reisende ist die einzige Möglichkeit zur Vorbeugung ein guter Mückenschutz. Zu beachten ist hier, dass die übertragenden Mücken auch tagaktiv sind. Grundsätzlich sollte die Kleidung die Haut möglichst weitgehend bedecken. Sinnvoll ist die Anwendung von Abwehrstoffen (Repellents). Zur Auswahl geeigneter Produkte sollten Sie sich am besten beim Arzt oder Apotheker informieren. Zusätzlich kann die Kleidung mit Insektiziden imprägniert werden. Das Bett sollte man am besten mit einem Moskitonetz schützen, Insektizid-imprägnierte Netze sind von Vorteil. Auch eine Klimaanlage kann helfen, denn Mücken meiden klimatisierte Räume.
Ein wirksamer Impfstoff gegen die Erkrankung steht aktuell in Deutschland nicht zur Verfügung.

Nach aktuellen Daten scheinen seltene, schwere Verläufe bei europäischen Reisenden in ähnlicher Häufigkeit bei Erst- und Zweitinfektionen aufzutreten. Die deutsche tropenmedizinische Gesellschaft (DTG) hält es daher für nicht gerechtfertigt, Reisenden von weiteren Aufenthalten in Verbreitungsgebieten abzuraten, wenn sie bereits ein Denguefieber durchgemacht haben.

Quelle: Apotheken Umschau 12.04.2018

Krankenversicherungs-Wechsel

Falle beim Wechsel der Krankenversicherung

Wenn Sie von der privaten Krankenversicherung in die Familienversicherung der gesetzlichen Krankenversicherung wechseln, riskieren Sie möglicherweise eine zweijährige Lücke bei der Pflegeversicherung. Das kann Sie teuer zu stehen kommen.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die private Krankenversicherung wird im Alter teuer. Wer kann, wechselt zur gesetzlichen Versicherung. Ein Weg ist die Familienversicherung des (Ehe-)Partners.
  2. Doch die gesetzliche Pflegeversicherung, in die Versicherungsnehmer dann auch wechseln, zahlt in den ersten zwei Jahren nicht.
  3. Verbraucher sollten daher die private Pflegeversicherung zwei Jahre lang weiter laufen lassen. So vermeiden sie das Risiko, bei Pflegebedürftigkeit in dieser Zeit keine Leistungen zu erhalten.

Bei einem Wechsel von der privaten Krankenversicherung in die Familienversicherung der gesetzlichen Krankenversicherung besteht laut Bundessozialgericht erst nach zwei Jahren Vorversicherungszeit in der gesetzlichen Versicherung ein Anspruch auf Pflegegeld.

Der Grund: Mit dem Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln Sie auch automatisch von der privaten in die gesetzliche Pflegeversicherung. Die jedoch verlangt eine zweijährige Wartezeit, das heißt in dieser Zeit erhalten Sie noch keine Leistungen.

Die Lösung: Kündigen Sie nur die private Kranken , nicht aber die private Pflegeversicherung, wenn Sie in die gesetzliche Familienversicherung wechseln. Zahlen Sie die Beiträge für die private Pflegeversicherung zunächst zwei Jahre lang weiter – bis Ihnen auch die gesetzliche Pflegeversicherung Leistungen gewährt.

Ohne Versicherungsschutz kann es teuer werden. Wenn ausgerechnet in der zweijährigen Übergangszeit Pflege notwendig wird, müssen Sie dafür selbst aufkommen. Beim höchsten Pflegegrad 5 wäre das für die Dauer von zwei Jahren immerhin eine Summe von 50.000 Euro. Für die Weiterführung der privaten Pflegeversicherung fallen nach unseren Berechnungen im selben Zeitraum dagegen in den meisten Fällen weit weniger als 2.700 Euro an.

Fall vor Gericht

Vor einem halben Jahr befasste sich das Bundessozialgericht mit dem Fall einer Witwe, die die gesetzliche Pflegeversicherung auf Zahlung von Pflegegeld für ihren verstorbenen Mann verklagt hatte. Ihr Ehepartner war zuvor lange in einer privaten Krankenversicherung und – nachdem der Pflegefall eingetreten war – einkommenslos geworden. Ohne Einkommen konnte er in die kostenlose Familienversicherung seiner gesetzlich krankenversicherten Ehefrau aufgenommen werden. Er kündigte also seine private Kranken- und Pflegeversicherung und wechselte.

Die gesetzliche Pflegeversicherung verweigerte jedoch zwei Jahre lang sämtliche Leistungen und berief sich darauf, dass der Betroffene noch nicht die Vorversicherungszeit in der gesetzlichen Pflegeversicherung erfüllt habe. Der Mann hatte Pflegestufe III, dadurch wurden die zwei Jahre für das Ehepaar enorm teuer. Erst nach Ablauf der zweijährigen Frist gab es auch Leistungen der Pflegeversicherung.

Der Mann verstarb dann bald und seine Witwe verklagte die gesetzliche Pflegeversicherung auf Zahlung. In der ersten Instanz gewann sie, vor dem Landessozialgericht verlor sie. Am Ende urteilte das Bundessozialgericht (BSG), dass bei einer solchen Konstellation – Wechsel über die Familienversicherung zurück in die gesetzliche Krankenversicherung bei gleichzeitiger Kündigung der privaten Pflegeversicherung – die gesetzliche Pflegeversicherung erst nach zwei Jahren Vorversicherungszeit leisten muss und erst dann ein Anspruch auf Pflegegeld besteht (Urteil des Bundessozialgerichts vom 30. November 2017, Az. B 3 P 5/16 R).

Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg 30.05.2018

Wenn die Zähne das Gehör stressen

Schöne und gesunde Zähne sind nicht nur ein attraktiver Anblick, sie sind auch wichtig für einen fitten und einwandfrei funktionierenden Organismus. So können Entzündungen im Kieferbereich langfristig zu Herzentzündungen führen oder Fehlstellungen der Zähne beispielsweise schmerzhafte Beschwerden in der Wirbelsäule hervorrufen beziehungsweise Migräne auslösen.

Weniger bekannt ist, dass Zahnprobleme immer wieder auch auf die Ohren schlagen. Die Diagnose lautet dann: Tinnitus – mit den typischen quälenden Klingelgeräuschen im Gehörgang. Obwohl diese Missklänge aus dem Ohreninneren in vielen Fällen stressbedingt entstehen, spielt der Kieferbereich bei der Entwicklung dieser nervigen Pfeiftöne ebenfalls eine entscheidende Rolle. Denn im Körper sind alle Systeme eng miteinander vernetzt. Und gerade das Mittelohr liegt in direkter Nachbarschaft – nur durch eine dünne Knochenlamelle getrennt – zum Kiefergelenk.

Insofern ist die Aufhängung des Kauapparates in besonders vielfältiger Weise durch Muskelfasern, Bänder, Blutgefäße und Nervenstränge mit dem Mittelohr-Komplex verbunden.

Führen nun zum Beispiel eine schlecht sitzende Zahnprothese, fehlender Zahnersatz, Zahnlücken der beeinträchtigte Zähne zu einer Fehlstellung zwischen Unter- und Oberkiefer, geraten in dieser Zone verlaufende Blutgefäße und Nerven ziemlich unter Druck. Die mögliche Folge dieser, Gewebe-Irritation“ ist dann ein Tinnitus.

Verursacht werden kann das Problem aber genauso durch nächtliches Zähneknirschen. Die überanspruchten Kiefergelenke samt der Muskulatur leiten dann die Belastung an die Ohren weiter. Die feinen, sensorischen Haarzellen im Hörorgan ähnlich stark geschädigt werden wie durch einen Hörsturz oder dauerhafte, starke Beschallung.

Genauso kommt es immer wieder vor, dass fehlerhafte Zahnbehandlungen zum Initialzünder für die unerwünschten und lästigen Geräuscheindrücke werden. So können sich im Kiefer zum Beispiel durch nicht korrekt eingesetzte Titan-Implantate, Wurzelbehandlungen und Amalgam-Füllungen toxische Substanzen anreichern, die gleichzeitig die Stoffwechsel- und Innenohr-Funktionen erheblich einschränken.

Um den Tinnitus nachhaltig auf den Grund gehen zu können, ist deshalb ein ganzheitlicher Blick, der die Wechselwirkung von Zähnen und Organismus genau beleuchtet, notwendig. Erster Ansprechpartner sollte zunächst der Hals-Nasen-Ohr-Arzt sein, um eine Erkrankung des Hörvermögens selbst auszuschließen. Ein Orthopäde kann dann feststellen, ob etwa eine funktionale Störung der Halswirbelsäule für den Tinnitus verantwortlich ist. Und schließlich braucht es – wenn andere Befunde ausgeschlossen werden konnten – die Untersuchung eines auf Funktionsdiagnostik und Funktionstherapie spezialisierten Zahnarztes.

Hier muss herausgefunden werden, ob eventuell ein Fehlbiss besteht, ob frühere Zahnbehandlungen im zeitlichen Zusammenhang mit den Ohrgeräuschen stehen oder ob chronisches Zähneknirschen negativen Einfluss auf die gesamte Kiefer-Ohr-Zone hat.

Eine verbreitete zahnmedizinische Hilfe ist in solchen Fällen eine spezielle Kiefer-Aufbiss-Schiene aus Kunststoff. Über mehrere Wochen getragen soll sie die Gelenke am Ohr entlasten und die Bissführung regulieren und korrigieren. Außerdem empfehlen Tinnitus-Experten zusätzliche Anwendungen wie Physiotherapie, Akupunktur oder Entspannungstechniken. Denn sowohl beim Kauapparat als auch beim Gehör gilt Stress als erheblicher Verstärkungsfaktor des Krankheitsbildes.

Quelle: Lebenslust Magazin 2017

Kostenübersicht

Ein schönes Lächeln kostet

7 Prozent der Deutschen haben sich schon einmal für eine Zahnbehandlung verschuldet.

Die Festzuschüsse der GKV decken 50 Prozent der Kosten ab – für die Regelversorgung. Die Differenz zahlt der Patient. Sie wird noch größer, wenn es ein ästhetisches Füllmaterial oder eine Keramikbrücke sein soll. Oder wenn nur noch eine Wurzelbehandlung einen von Karies befallenen Zahn retten kann. Den Zahn zu ziehen ist die einzige kostenfreie Alternative. Unter dem Strich braucht es nur ein paar Löcher oder einen maroden Zahn, und der Privatanteil an den Behandlungskosten schnellt in den vierstelligen Bereich. Mit jeder Eigenbeteiligung spielt sich im Kopf vieler Patienten dann eine Art persönliche Priorisierungsdebatte ab: Wurzelbehandlung oder Waschmaschine? Keramikbrücke oder Urlaub? Kunststofffüllungen und dann vier Wochen lang Nudeln essen?

Zahnerhalt und Zahnersatz konkurrieren mit anderen Ausgaben: 58,4 Prozent der Deutschen würden größere Anschaffungen wie einen Autokauf oder eine Reise zurückstellen, um das Geld für eine Behandlung aufzubringen. Mit anderen Worten jeder Zweite täte es nicht.

Die Teilprivatisierung der Zahnmedizin verlangt von Patienten ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Eine gründliche und regelmäßige Zahnpflege ist unerlässlich geworden. Denn im schlimmsten Fall drohen nicht nur hohe Kosten oder Zahnverlust – sondern schwere Folgeerkrankungen. (Ausufernde Infektion – Parodontitis – Entzündungen im Mund belasten den gesamten Organismus)

Quelle: Apotheken Umschau 10/2017

Lächelndes Kind mit Zahnlücke

Zuzahlungen in der GKV

Für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gehören Selbst- und Zuzahlungen für einzelne Gesundheitsleistungen inzwischen zum Alltag. Verlässliche Statistiken darüber, wofür und in welcher Höhe GKV-Versicherte selbst zahlen, gibt es jedoch nicht. In der diesjährigen Continentale-Studie 2017 wurden diese Aspekte erfragt.

Ein Ergebnis: 90 Prozent haben in den vergangenen zwölf Monaten Leistungen für ihre Gesundheit aus eigener Tasche bezahlt – am häufigsten in der Apotheke (75 Prozent) und beim Zahnarzt (59 Prozent).

So kommen pro Person 448 Euro im Jahr zusammen, die sie zusätzlich zum regulären GKV-Beitrag für die eigene Gesundheit zahlen muss. Das sind 104 Euro mehr als vor fünf Jahren, als diese Frage in der Continentale-Studie 2012 zum ersten Mal gestellt wurde. In diesem Zeitraum sind die Selbst- und Zuzahlungen also um 30 Prozent gestiegen und bedeuten deutliche finanzielle Mehrbelastungen. Am meisten zahlen Befragte ab 60 Jahren mit durchschnittlich 577 Euro. In allen Beträgen sind Ausgaben für kieferorthopädische Behandlungen sowie für Brillen und Sehhilfen nicht berücksichtigt.

Im Detail: Drei Viertel der GKV-Versicherten geben an, dass sie dort Leistungen teilweise oder komplett selbst bezahlt haben. 59 Prozent haben beim Zahnarzt, 45 Prozent für Brillen und Sehhilfen und ein Drittel für Physiotherapie, Massagen oder ähnliche Behandlungen die Kosten (teils) selbst getragen. Zuzahlungen etwa für Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen leisteten zudem 30 Prozent beim Haus- oder Facharzt, 23 Prozent im Krankenhaus, 15 Prozent für Kieferorthopädie und 12 Prozent für Heilpraktiker oder Naturheilkunde.

Quelle: Studie Continentale 2017

Lächelnde Frau

Karies oder Parodontose

Neben Karies ist die Parodontitis die zweite große Gefahr im Mundraum.

Der Zahnärztereport 2017 der Barmer-GEK brauchte dazu folgende Ergebnisse heraus:
In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen sind 43 Prozent von einer leichten Form betroffen, und acht Prozent leiden unter einer schweren Form von Parodontitis.

Bei den 65- bis 74-Jährigen leiden rund 45 Prozent an einer leichten und rund 20 Prozent an einer schweren Form der Erkrankung.

Parodontitis ist der häufigste Grund warum über 40-Jährige ihre Zähne verlieren.

Ursache für Parodontitis sind in 90% der Fälle schlecht geputzte Zähne. Weitere Auslöser können genetische Veranlagung und die Einnahme von Antibiotika über einen längeren Zeitraum sein. Rauchen, wenig Schlaf, privater oder beruflicher Stress können das Immunsystem angreifen. Der Körper schafft es dann nicht mehr die Bakterien abzuwehren.

Die GKV übernimmt die Kosten für gewöhnlich nur, wenn eine Zahnfleischtaschentiefe von 3,5 mm oder mehr besteht. Die Messung erfolgt nach dem PSI-Index (Parodontaler Screening Index). Dieser wird von den Kassen alle zwei Jahre bezahlt.