Aktuelles

Homeoffice – Wie sogar Sportmuffel gesund bleiben

Zu Hause bleiben, heißt auch viel zu sitzen. Das schadet der Gesundheit. Dabei reichen wenige Minuten Bewegung pro Tag schon aus

Mit dem Auto zur Arbeit fahren und im Büro wieder sitzen. Das sorgt für wenig Bewegung im Alltag. Durch die Kontaktbeschränkungen haben sogar viele das Büro im Schlafzimmer aufgebaut und müssen nur morgens vom Bett zum Stuhl rollen. Theoretisch sind die Beine kaum noch nötig.

Wer bisher nur den Eindruck hatte, dass seit dem Corona-Lockdown plötzlich alle joggen, bekommt nun statistisch recht. Die Deutschen machen mehr Sport. Das zeigt eine Erhebung der Deutschen Krankenversicherung (DKV) in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos, die im Mai unter mehr als 1000 Befragten erhoben wurde. Dabei zeigte die Erhebung in den vergangenen Jahren eigentlich immer einen Trend hin zu weniger körperlicher Aktivität. Die Krise hat das geändert.

„Viele Menschen haben befürchtet, dass der Lockdown den Bewegungsmangel weiter verschärfen könnte“, sagt Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV. „Dahingehend überraschen die Ergebnisse positiv: Immerhin gut ein Viertel der Bevölkerung hat erkannt, wie wichtig es ist, aktiv zu sein.“

Seit dem Lockdown bewegen sich die Deutschen mehr

Die DKV hat in der Studie die Bewegungsgewohnheiten abgefragt. So gaben etwa 22 Prozent der Befragten an, mehr Rad zu fahren oder zu Hause Sport zu treiben. Gut ein Viertel läuft Strecken zu Fuß, die er oder sie zuvor mit dem Auto oder der Bahn gefahren ist. Fast 40 Prozent gaben an, mehr spazieren zu gehen.

Diese moderate Bewegung reicht schon aus, um gesund zu bleiben, heißt es bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie empfiehlt pro Woche 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung. Das wären pro Tag ein Spaziergang von mindestens 21 bis 42 Minuten.

Wer länger durchhält, wird zusätzlich belohnt. Bei mehr als 300 Minuten Bewegung pro Woche sinkt das Risiko für Brust- oder Darmkrebs, Diabetes oder einen Schlaganfall.

Dynamischen Arbeitsplatz einrichten

Damit Arbeitnehmer, die vornehmlich sitzen, keine langfristigen Schäden davontragen, empfiehlt das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) zusätzlich einen möglichst dynamischen Arbeitsplatz.

Das heißt konkret, den Drucker oder den Papierkorb in den Flur zu stellen. So muss für jeden Ausdruck oder jede verworfene Idee aufgestanden und ein paar Schritte gegangen werden.

Möglich ist auch, den Videocall in ein Telefonat zu überführen und dabei im Zimmer auf und ab zu laufen.

Auch ein Steharbeitsplatz ist sinnvoll. Doch nicht in jedem Büro oder Homeoffice gibt es einen verstellbaren Schreibtisch. Die Lösung ist so simpel wie unkonventionell: Auf einer Kommode oder einem Regal zu arbeiten, kann eine echte Alternative darstellen. Bücher oder Kisten können als zusätzliche Erhöhung dienen.

Tipp: Die 40-15-5-Regel am Schreibtisch

So ist es auch möglich, die sogenannte 40-15-5-Regel einzuhalten: 40 Minuten sitzen, 15 Minuten stehen und dann 5 Minuten bewegen - damit auch der Körper in Bewegung bleibt.

Wenn die Gedanken nicht so fließen wollen, eignet sich während der Arbeitszeit auch mal ein Spaziergang. An der frischen Luft lösen sich Denkblockaden oft von alleine auf, weil der Körper das Stresshormon Cortisol nur bei Bewegung abbaut.

Wer regelmäßig kleinere Übungen oder sogar Bewegungsrituale, etwa nach jedem Toilettengang, einführt, kann damit nicht nur den Körper entspannen, sondern auch für eine bessere Konzentration sorgen.

Anleitungen auf Youtube suchen

Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt: Von regelmäßigem Arm-, Schulter- Kopf- und Handkreisen bis hin zu Körperstreckungen oder sogar Hampelmännern ist alles erlaubt. „Und warum eigentlich nicht mal während der Arbeit tanzen?”, ermutigt das IFBG.

Videos mit Anleitung zu Nackentraining oder kurzen Yoga und Meditationsübungen gibt es bei Youtube zu Hauf.

Apropos Toilettengang: Allein der sorgt schon für ziemlich viel Bewegung. Je häufiger also, desto besser. Und das klappt am besten mit viel trinken, was ohnehin für die Gesundheit gut und wichtig ist.

 

Quelle: karriere.de 30.07.2020

Berufsunfähig wegen Krebs: Frauen trifft es öfter und früher

Berufsunfähig wegen Krebs: Frauen trifft es öfter und früher

Frauen werden häufiger und bereits in jüngerem Alter aufgrund von Krebs berufsunfähig. Bei Männern hingegen steigt der Anteil von Krebs als Ursache einer Berufsunfähigkeit erst ab 51 Jahren deutlich an. Dies zeigt eine Auswertung des Bestands von BU- Leistungsempfängern von Swiss Life Deutschland.

Von Berufsunfähigkeit aufgrund von Krebs sind Frauen häufiger und bereits in jüngeren Jahren betroffen als Männer. So werden Frauen zwischen 21 und 30 Jahren doppelt so oft wegen eines Krebsleidens berufsunfähig wie gleichaltrige Männer. In der Altersgruppe von 31 bis 40 Jahren trifft es das weibliche Geschlecht mit 15% anteilsmäßig sogar dreimal so häufig wie Männer. Dies geht aus einer Datenerhebung des Versicherers Swiss Life Deutschland hervor. Ausgewertet wurde der Bestand an Leistungsempfängern einer Berufsunfähigkeitsversicherung der vergangenen zehn Jahre.

Dagegen nimmt der prozentuale Anteil von Krebs als BU-Ursache bei den Männern mit 11% erst im Alter zwischen 51 und 60 Jahren deutlich zu. Doch auch in dieser Altersgruppe werden Frauen mit 16% anteilsmaßig öfter berufsunfähig infolge eines Krebsleidens als Männer.

Brustkrebs spielt wesentliche Rolle

Die hohen prozentualen Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der BU-Ursache Krebs wurden laut Swiss Life darauf schließen lassen, dass Brustkrebs hier eine wesentliche Rolle spiele. Denn die Diagnose Brustkrebs erhalten nicht selten auch jüngere Frauen. Da aufgrund des medizinischen Fortschritts und regelmäßiger Untersuchungen zur Früherkennung die Heilungschancen in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen sind und somit die Prognose in den meisten Fallen günstig ist, sei die Reaktivierungsrate entsprechend hoch. Die betroffenen Frauen können also häufig nach ein bis zwei Jahren wieder in ihren Beruf zurückkehren.

Prostatakrebs bei Männern ab 50

Bei Männern dagegen zeigt sich Prostatakrebs als die häufigste Krebsform, die meist erst ab Anfang 50 auftritt. Somit schlägt sich Krebs als Ursache fur eine BU erst relativ spät in den Statistiken nieder, so Swiss Life.

Aktuell erhalten mehrere Hunderte Kunden, die wegen eines Krebsleidens berufunfähig geworden sind, eine monatliche BU-Rentenzahlung von Swiss Life. Wie der Versicherer weiter mitteilt, beträgt der Anteil im betrachteten Zeitraum der vergangenen zehn Jahre konstant 10% aller Leistungsfälle. ,,Hauptursache fur eine Berufunfähigkeit sind psychische Erkrankungen, die in den letzten Jahren stark angestiegen sind. Bei Krebs erkennen wir glücklicherweise keinen Anstieg. Dennoch ist eine Krebserkrankung eine besondere Belastung fur Kunden, die nicht selten auch mit dem temporären Ausscheiden aus dem Berufsleben einhergeht", erklärt Stefan Holzer, Leiter Versicherungsproduktion und Mitglied der Geschaftsleitung von Swiss Life Deutschland.

60% der Deutschen fürchten eine Krebserkrankung

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Swiss Life hat zudem ergeben, dass 60% der Deutschen besonders Angst davor haben, an Krebs zu erkranken. Auf Platz 2 folgt mit einem Anteil von 47% die Furcht vor Schlaganfall. An 3. Stelle rangiert die Angst vor Demenz (42%). Fast jeder Zweite der Befragten hat im Familien- oder Freundeskreis jemanden, der an Krebs erkrankt ist. Viele der betroffenen konnten ihren Beruf mindestens sechs Monate oder länger nicht ausüben. Zugleich haben aber über 80% der Befragten keine Berufunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. ,,Diese Zahlen belegen leider deutlich, dass immer noch zu viele Menschen die Bedeutung einer Absicherung ihrer Arbeitskraft unterschätzen", unterstreicht Holzer.

Quelle: Swiss Life Deutschland 06.2020

Ärztin im Krankenhaus

30 Prozent weniger Patienten in der Kardiologie – Ärzte werden stutzig

In der Corona-Krise kommen nur noch wenige Patienten mit akuten anderen Leiden in deutsche Kliniken. Da niemand an einen plötzlichen Einbruch der Schlaganfall-Zahlen glaubt, beschleicht die Mediziner eine böse Vorahnung.

Mediziner und Krankenhäuser beobachten in der Corona-Krise einen beunruhigenden Trend. Wohl aus Angst vor einer Infektion kommen sehr viel weniger Patienten mit akutem Behandlungsbedarf in die Kliniken. „Wir stellen fest, dass Diagnosen wie Schlaganfallverdacht, Herzinfarkt oder Blinddarmentzündung deutlich nachgelassen haben“, sagt Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft in München. Gleiches gilt für Krebspatienten.

Eine genaue Statistik gibt es noch nicht, aber Mediziner registrieren das Phänomen deutschlandweit: „Wir haben auf einmal sehr viel weniger Patienten mit dringenden Symptomen“, sagt der Lungenkrebsspezialist Niels Reinmuth, Chefarzt für Thorakale Onkologie an der Asklepios Fachklinik in Gauting bei München. „Das ist etwas, das wir alle beobachten.“

Zahlen nennt das Klinikum Nürnberg: Demnach gibt es bei den stationären Aufnahmen einen deutlichen Rückgang einzelner Diagnosen, der sich vor allem seit der elften Kalenderwoche bemerkbar macht. „In die kardiologische Notaufnahme kommen zwischen 20 und 30 Prozent weniger Patienten zur Abklärung unklarer Brustschmerzen“, teilt das Krankenhaus mit. Und in der neurologischen Notaufnahme gibt es demnach im Vergleich zu 2019 deutliche Rückgänge bei Schlaganfallverdachtsfällen von minus 30 Prozent.

Ein Sprecher der DAK-Gesundheit sagte gegenüber WELT, im März seien laut einer Sonderanalyse der Krankenkasse 25 Prozent weniger Menschen mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert worden als im März 2018 und 2019.

2018 gab es 210.000 Herzinfarkte und etwa 300.000 Schlaganfälle in Deutschland. Dass sich diese Zahlen wegen der Corona-Epidemie plötzlich verringert haben, glaubt niemand in der medizinischen Gemeinde.

„Es muss aber vermieden werden, dass Angst vor dem Virus andere Krankheiten und Todesfälle verursacht“, sagt ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Die größte medizinische Krise der vergangenen Jahrzehnte hat für die Krankenhäuser bisher die eigenartige Folge einer außergewöhnlich schwachen Auslastung. Die befürchtete Welle von Corona-Patienten ist zur Erleichterung aller Beteiligten ausgeblieben. Alle planbaren Behandlungen wurden verschoben.

So sind in Bayerns Kliniken nach Angaben der örtlichen Krankenhausgesellschaft derzeit im Schnitt zwischen 40 und 60 Prozent der Betten nicht belegt. „Auch auf den Intensivstationen sind noch Kapazitäten frei“, sagt Geschäftsführer Hasenbein. In Nordrhein-Westfalen ist die Lage ähnlich. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schätzt, dass derzeit bundesweit 150.000 Betten frei sind.

„Kein erhöhtes Ansteckungsrisiko für andere Patienten“

Auch die Rettungsdienste haben vergleichsweise wenig zu tun: „In den letzten Wochen nehmen wir einen stetigen Rückgang an Krankentransporte wahr“, heißt es beim Bayerischen Roten Kreuz in München. Deswegen sollen die Krankenhäuser nun schrittweise wieder in den Regelbetrieb wechseln.

Aus ärztlicher Sicht besorgniserregend ist der unerwartete Rückgang der Patienten mit akuten Symptomen. Dabei tun die Häuser alles, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren: Corona-Infektionen werden getrennt von allen anderen Patienten behandelt.

„Mit der abgetrennten Station und der Zimmerisolierung besteht kein erhöhtes Ansteckungsrisiko für andere Patienten“, heißt es etwa bei der Asklepios-Klinik im oberbayerischen Bad Tölz. Das Muster ist bundesweit gleich, die Kliniken folgen den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

„Sorge, dass im Sommer viele Patienten kommen, die besser vier Monate früher gekommen wären“

Patienten mit akuten Erkrankungen laufen große Gefahr, wenn sie nicht zum Arzt gehen. „Wenn man akuten Behandlungsbedarf nicht erkennt, riskiert man möglicherweise lebensbedrohliche Probleme“, sagt der Gautinger Chefarzt Reinmuth. „Bei einem Tumor kann eine Verzögerung bedeuten, dass die Erkrankung gar nicht mehr oder mit sehr viel schlechteren Heilungschancen behandelt werden kann.“

Viele Ärztinnen und Ärzten treibt daher in diesen Tagen eine Frage um: „Wir haben die Sorge, dass wir im Sommer viele Patienten bekommen werden, die besser vier Monate früher gekommen wären“, sagte der Onkologe.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) appelliert an die Bürger: „Wer Symptome etwa auf einen Herzinfarkt oder auf eine andere schwerwiegende Erkrankung verspürt, sollte sich unbedingt vom Arzt untersuchen lassen.“ Allerdings sind alle Patienten gebeten, zunächst telefonisch Kontakt aufzunehmen und das weitere Vorgehen abzuklären.

Quelle: WELT 23.04.2020

 

Krebszellen

Weltkrebstag: WHO warnt vor Verdopplung der Krebsfälle

2018 erkrankten weltweit 18,1 Millionen Menschen neu an Krebs. Im Jahr 2040 könnten es laut einer Prognose der Krebsforschungsagentur IARC bis zu 37 Millionen neue Fälle sein.

Eine Ursache ist die wachsende und alternde Weltbevölkerung. Aber auch "Lebensstilfaktoren" wie Rauchen, Übergewicht und falsche Ernährung können das Risiko erhöhen.

In Deutschland überleben derzeit 65 Prozent aller an Krebs erkrankten Menschen für mindestens fünf Jahre.

WHO warnt vor Verdopplung der Krebsfälle

Die Zahl der Krebsfälle weltweit dürfte sich nach einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis 2040 fast verdoppeln. Das geht aus dem alle fünf Jahre erstellten Weltkrebsreport der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) hervor. 2018 erkrankten demnach weltweit 18,1 Millionen Menschen neu an Krebs, 9,6 Millionen Menschen starben daran. Im Jahr 2040 dürften etwa 29 bis 37 Millionen Menschen neu an Krebs erkranken, berichtet die IARC zum Weltkrebstag an diesem Dienstag.

Auch der Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Michael Baumann, geht von einer solchen Entwicklung aus. Gründe seien die wachsende und älter werdende Weltbevölkerung, aber auch "Lebensstilfaktoren", sagte Baumann am Montag in Berlin. Für Deutschland erwarte man einen Anstieg der jährlichen Neuerkrankungen von derzeit 500 000 auf dann etwa 600 000 Fälle.

Krebs zu überleben ist auch eine Frage des Wohlstands

Baumann rief die Menschen zu einer gesundheitsbewussteren Lebensweise auf. "Nach heutigem Wissensstand könnte man, wenn man alles das einhält, was wir derzeit wissen, tatsächlich 40 Prozent der Krebserkrankungen durch primäre Prävention verhindern." Baumann nannte Punkte, die zwar viele Menschen wüssten, die aber trotzdem nicht gut umgesetzt würden: nicht rauchen, kein Übergewicht, körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, wenig oder kein Alkohol und "alle Impfungen und Vorsichtsmaßnahmen wahrnehmen, die gegen Krebserkrankungen empfohlen werden".

In Deutschland überlebten derzeit 65 Prozent aller an Krebs erkrankten Menschen für mindestens fünf Jahre. Damit sei Deutschland zwar international weit vorn. Das bedeute aber auch, "dass 35 Prozent aller Mitbürger, die an Krebs erkranken, eben nicht fünf Jahre überleben". Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) erkrankt in Deutschland fast jeder Zweite an Krebs: Bei Frauen beträgt das Lebenszeitrisiko 42,6 Prozent, bei Männern 47,5 Prozent.

Krebs zu überleben sei auch eine Frage des Wohlstands, so die IARC, die zur WHO gehört. Sowohl Betroffene in ärmeren Ländern als auch ärmere Bevölkerungsschichten in reichen Ländern hätten geringere Überlebenschancen. Die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, sei in Ländern mit hohen Einkommen zwischen 2000 und 2015 um 20 Prozent gesunken, in Ländern mit niedrigen Einkommen nur um 5 Prozent.

Quelle SZ 04.02.2020

Junge streckt Zunge raus

Vier von fünf Jugendlichen bewegen sich zu wenig

Erstmals wurde weltweit untersucht, wie gesund Jugendliche leben. Ein Problem eint dabei alle Teenager: Sie bewegen sich viel zu wenig. Kaum Lust auf sportliche Aktivitäten haben dabei insbesondere die Mädchen.
Eine Stunde Bewegung am Tag ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausreichend für Kinder und Jugendliche – doch selbst die schaffen nur wenige. Laut einer WHO-Studie bewegt sich weltweit nur ein Fünftel der Elf- bis 17-Jährigen so viel.

Auch deutsche Jugendliche schneiden in der Studie schlecht ab: 79,7 Prozent der Jungen und sogar 87,9 Prozent der Mädchen waren 2016 körperlich nicht aktiv genug. Im Vergleich zum Jahr 2001 haben sich die Zahlen für Deutschland kaum verändert, auch weltweit gab es nur geringe Verbesserungen.
Der Bericht, der in der Fachzeitschrift „Lancet Child & Adolescent Health“ veröffentlicht wurde, basiert auf Umfragedaten aus den Jahren 2001 bis 2016. Dabei wurden 1,6 Millionen Schüler zwischen elf und 17 Jahren in 146 Ländern befragt.

Lieber Smartphone statt Sport

Warum sich die Jugendlichen so wenig bewegen, wurde nicht erforscht. Dennoch haben die Forscher eine Vermutung: „Wir hatten eine elektronische Revolution, die die Bewegungsmuster von Jugendlichen offensichtlich verändert hat – und sie dazu anregt, mehr zu sitzen, weniger aktiv zu sein, mehr zu fahren, weniger zu gehen“, sagt Leanne Riley, eine der Co-Autorinnen der Studie. Die Jugendlichen spielten lieber digital, statt wirklich aktiv zu sein.

Ein weiterer Grund für fehlende körperliche Aktivität sei zudem die Frage der Sicherheit in manchen Umfeldern. „Es gibt Umfelder, in denen wird es immer gefährlicher, draußen zu sein und aktiv zu sein. Wenn es nicht sicher genug ist, draußen zu sein, dann gehen Jugendliche auch weniger zu Fuß zur Schule oder fahren mit dem Fahrrad“, so Riley.

Der für Deutschland zu beobachtende Unterschied zwischen Jungen und Mädchen findet sich auch auf globaler Ebene wieder: Während sich 77,6 Prozent der Jungen nicht ausreichend bewegen, sind es bei den Mädchen 84,7 Prozent. Die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern wurden in Irland (17 Prozentpunkte) und den USA (16,5 Prozentpunkte) festgestellt.

Die unbeweglichsten Kinder leben in Südkorea

„Hier wirken sich auch kulturelle Aspekte aus. In manchen Kulturen ist es nicht vorgesehen, dass Mädchen so aktiv sind wie Jungen, oder sie werden nicht ermutigt, sich so viel zu bewegen wie die Jungen“, erklärt Riley. Insgesamt war der Anteil an inaktiven Kindern in Südkorea am höchsten, während er in Bangladesch am niedrigsten war.

Die WHO hatte eigentlich das Ziel ausgegeben, den Anteil der Jugendlichen mit zu wenig Bewegung bis 2030 auf 70 Prozent zu senken. „Dieses Ziel können wir nicht einhalten, wenn sich diese Trends fortsetzen“, macht Regina Guthold, Studienautorin und WHO-Expertin für die Gesundheit von Jugendlichen, deutlich.

Quelle WELT 22.11.2019

Immer mehr Menschen erleiden Infarkt, dabei ist der Schutz simpel

Immer mehr Menschen erleiden Infarkt, dabei ist der Schutz simpel

Etwa 300.000 Deutsche erleiden jedes Jahr einen Herzinfarkt. Dabei gibt es vier entscheidende Faktoren für die Herzgesundheit, die Sie größtenteils selbst in der Hand haben. Ulf Landmesser, Direktor der Klinik für Kardiologie an der Charité in Berlin, verrät, wie Sie Ihr Herz ganz einfach gesund halten können.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Allein Herzinfarkte erleiden jedes Jahr etwa 300.000 Deutsche. Dabei wäre die Vorsorge simpel: Mit kleinen Veränderungen in ihrem Alltag können Sie Ihre Herzgesundheit deutlich steigern.

FOCUS Online hat Ulf Landmesser, den Direktor der Klinik für Kardiologie an der Berliner Charité gesprochen. Er erklärt die entscheidenden Faktoren für einen gesunden Lebensstil - und nicht nur das Herz profitiert von ihnen:

Das Rauchen aufgeben

Rauchen ist einer der Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen. Es begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose, also der Verkalkung der Gefäße. Tabakrauch verengt zusätzlich die Blutgefäße und sorgt so für einen erhöhten Blutdruck. Aber auch die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels leidet unter ihm.

Wer mit dem Rauchen aufhört, bei dem verbessert sich bereits nach kurzer Zeit die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels und der Blutdruck sinkt. Nach etwa zwei Jahren haben Ex-Raucher ein ebenso hohes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Nichtraucher.

Regelmäßig Ausdauersport betreiben

Auch zu wenig Bewegung ist laut Landmesser ein Risikofaktor für Herzerkrankungen. Kardiologen empfehlen, mindestens drei Mal pro Woche Ausdauersport zu betreiben - für etwa 30 Minuten.

Das senke das Erkrankungsrisiko erheblich, indem es Herzgefäße und Herzfunktion unterstützt. Außerdem hebe Ausdauersport die Stimmung, was sich auch positiv auf das Gemüt auswirkt.

Auf eine gesunde Ernährung achten

Herzgesundheit geht durch den Magen: Ulf Landmesser empfiehlt, für ein gesundes Herz auf gesunde Nahrung zu achten. Dafür sollten Sie auf eine Mischung aus Obst und Gemüse, guten Ölen, Fisch und magerem Fleisch setzen. Verzichten sollten Sie hingegen auf rotes und fettiges Fleisch sowie zuckerhaltige Lebensmittel.

Angeborene Risikofaktoren abchecken lassen

Auch, wenn Sie gesund leben, nicht rauchen und sich gut ernähren kann ein Restrisiko bestehen, wenn sie familiär oder genetisch vorbelastet sind. Leidet jemand aus Ihrer Familie an einer Herzkrankheit oder haben Sie einen angeborenen Herzfehler? Wenn Sie eine dieser Fragen mit "Ja" beantworten können oder sich nicht sicher sind, sollten Sie sich einmal bei einem Kardiologen durchchecken lassen, um mögliche Vorbelastungen auszuschließen. Mit einer frühen Erkennung und dem Management von Risikofaktoren, wie erhöhtem Blutdruck oder Lipidwerten, kann häufig ein Herzinfarkt vermieden werden.

Quelle FOCUS Online 02.09.2019

DAK Psychoreport

DAK-Psychoreport 2019: dreimal mehr Fehltage als 1997

In Deutschland fehlte im vergangenen Jahr jeder 18. Arbeitnehmer wegen einer psychischen Erkrankung im Job. Ausgehend von den Daten der DAK-Gesundheit waren damit hochgerechnet 2,2 Millionen Menschen betroffen. Seit 1997 hat sich die Anzahl der Fehltage, die von Depressionen oder Anpassungsstörungen verursacht werden, mehr als verdreifacht. Am häufigsten fehlen Arbeitnehmer mit der Diagnose Depression. Fehltage wegen Anpassungsstörungen stiegen in den vergangenen Jahren besonders deutlich an. Das sind zentrale Ergebnisse des Psychoreports 2019 der DAK-Gesundheit.

Der aktuelle DAK-Psychoreport ist eine Langzeit-Analyse, für die das IGES Institut die anonymisierten Daten von rund 2,5 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet hat. Demnach erreichten die Krankschreibungen von Arbeitnehmern aufgrund von psychischen Leiden im Jahr 2017 mit 250 Fehltagen pro 100 Versicherte einen Höchststand. 2018 gingen sie erstmals leicht um 5,6 Prozent auf 236 Fehltage pro 100 Versicherte zurück. Seelenleiden lagen damit im vergangenen Jahr bundesweit auf dem dritten Platz der Krankheitsarten.

Depressionen mit den meisten Fehltagen

Der Blick auf die Einzel-Diagnosen zeigt, dass Depressionen und Anpassungsstörungen nach wie vor die meisten Ausfalltage verursachen. 2018 gingen 93 Fehltage je 100 Versicherte auf das Konto von Depressionen, bei den Anpassungsstörungen waren es 51. Auf Platz drei rangieren neurotische Störungen mit 23 Fehltagen je 100 Versicherte. Angststörungen kommen auf 16 Fehltage je 100 Versicherte.

Der aktuelle DAK-Psychoreport zeigt auch, dass vor allem Ausfalltage wegen Anpassungsstörungen in den vergangenen Jahren rasant zugenommen haben: Seit 2000 haben sie sich fast verdreifacht – auf jetzt 51 Fehltage je 100 Versicherte. DAK-Vorstandschef Andreas Storm führt diese Entwicklung auch auf einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen zurück, denn aus wissenschaftlicher Sicht sind diese seit Jahrzehnten in der Bevölkerung nahezu gleich verbreitet. „Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heutzutage kein Tabu mehr“, so Storm. „Deshalb wird auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen.“ In Betrieben sehe dies aber oft noch anders aus. Storm fordert deshalb: „Auch Arbeitgeber müssen psychische Belastungen und Probleme aus der Tabuzone holen und ihren Mitarbeitern Hilfe anbieten.“

Burnout wird wieder öfter diagnostiziert

Seit 2012 hat die Zusatzdiagnose Burnout im Krankheitsgeschehen deutlich an Relevanz verloren. So halbierte sich die Anzahl der Fehltage in den vergangenen sechs Jahren nahezu. Allerdings wurde Burnout 2018 im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas öfter auf Krankschreibungen notiert (5,3 Fehltage je 100 Versichert zu 4,6 Fehltage je 100 Versicherte). Beim Blick auf das Alter fehlten Arbeitnehmer „60plus“ mit neun Fehltagen je 100 Versicherte am meisten wegen Burnout im Job. Insgesamt steigen die Fehltage aufgrund von Burnout mit dem Alter an. Erst vor kurzem hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Burnout als Syndrom eingestuft. Dieses entstehe aufgrund von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werde.

Besonders viele Fehltage bei Frauen

Wie der DAK-Report zeigt, nimmt die Zahl der Fehltage für psychische Erkrankungen bei beiden Geschlechtern mit dem Alter kontinuierlich zu. Frauen waren 2018 knapp doppelt so oft wegen Seelenleiden krankgeschrieben als ihre männlichen Kollegen (298 Fehltage je 100 Versicherte gegenüber 183 Fehltagen bei Männern).

Psychische Erkrankungen besonders in der öffentlichen Verwaltung verbreitet

Die Branchen „Öffentliche Verwaltung“ sowie „Gesundheitswesen“ weisen überproportional viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen auf. So verursachten 100 Beschäftigte in der Öffentlichen Verwaltung im Jahr 2018 358 Fehltage. Im Gesundheitswesen waren es 321 Ausfalltage. Im Schnitt über alle Branchen hinweg kam es zu knapp 236 Fehltagen.

Saarland bei Fehltagen vorn, Schlusslicht Bayern

Bei den Fehltagen durch psychische Erkrankungen gibt es deutliche regionale Unterschiede: Während im Saarland im vergangenen Jahr 312 Fehltage je 100 Versicherte mit den entsprechenden Diagnosen begründet wurden, waren es in Bayern lediglich 193. Auch die Baden-Württemberger blieben mit 214 Fehltagen je 100 Versicherte vergleichsweise selten mit psychischen Problemen der Arbeit fern. Bremen und Berlin belegen mit 218 und 279 Fehltagen je 100 Versicherte die Plätze zwei und drei der Statistik. Die ostdeutschen Bundesländer bewegen sich bei den Ausfalltagen aufgrund von psychischen Erkrankungen im Mittelfeld.

Quelle DAK Psychoreport 2019 - 25.07.2019

Die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit

Das ist die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit

Burn-out und andere psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit, zeigt die Analyse eines Lebensversicherers. Das hat mit steigender Belastung zu tun, sagt ein Experte – aber auch mit einer gesellschaftlichen Veränderung.

Wenn Menschen an Burn-out, Depressionen oder Angststörungen leiden, kann das zu Einschränkungen im Job, Fehlzeiten oder sogar zur Berufsunfähigkeit führen. Immer mehr Menschen in Deutschland scheinen aufgrund solcher psychischer Erkrankungen sogar berufsunfähig zu werden. Das legt eine Auswertung der Daten des Versicherers Swiss Life nahe. Demnach waren diese Leiden im vergangenen Jahr mit 37 Prozent die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit. 2009 waren es noch 26,6 Prozent.

„Einerseits ist die psychische Belastung in der Arbeitswelt gestiegen“, erklärt Ulf Rinne vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA), „nicht zuletzt durch die zunehmende Entgrenzung von Arbeit und Freizeit.“ Das könne zu Überforderung und Stress auf der Arbeit führen. „Andererseits sind psychische Erkrankungen nicht mehr so stigmatisiert und werden tendenziell häufiger diagnostiziert.“

Bei Frauen gehen laut der Swiss-Life-Auswertung 44 Prozent der Berufsunfähigkeiten auf eine psychische Erkrankung zurück, bei Männern sind es lediglich 28 Prozent. Außerdem werden Frauen häufiger bereits in jungen Jahren psychisch krank, bei Männern treten diese Diagnosen erst in der zweiten Lebenshälfte vermehrt auf.

Die zweithäufigste Ursache für Berufsunfähigkeit sind laut der Auswertung Krankheiten des Bewegungsapparats (24 Prozent). Danach folgen Unfälle (14 Prozent), Krebserkrankungen (9 Prozent) sowie Herz- und Kreislauferkrankungen (8 Prozent). Das Unfallrisiko ist wiederum bei jungen Männern bis 30 Jahren am höchsten. Jede dritte Berufsunfähigkeit in dieser Gruppe ist die Folge eines Unfalls; bei Frauen ist es nur jeder zehnte Fall.

Insgesamt muss nach Berechnungen von Versicherungen rund jeder Vierte im Laufe seines Arbeitslebens den zuletzt ausgeübten Beruf einschränken oder aufgeben. Eine Berufsunfähigkeit ist aber nicht zwangsläufig dauerhaft. Durch Therapien oder Reha-Maßnahmen können betroffene Personen ganz oder teilweise genesen und in das Berufsleben zurückkehren. Auch Umschulungen sind eine Möglichkeit, um wieder arbeiten zu können. Männern gelingt die Rückkehr an den Arbeitsmarkt häufiger als Frauen. Eine Erklärung: Psychische Leiden, an denen Frauen häufiger leiden, sind tendenziell langwieriger als andere Erkrankungen.

Auch die Rentenversicherung registriert in den vergangenen zehn Jahren eine besonders starke Zunahme psychischer Erkrankungen: 2018 wurden über 170.000 stationäre Rehabilitationen wegen psychischer Krankheiten bewilligt, über 50.000 mehr als zehn Jahre zuvor.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte von der Bundesregierung konkrete Schritte, um Beschäftigte besser zu schützen. Sie solle eine „Anti-Stress-Verordnung“ auf den Weg bringen, erklärte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. „Die Betriebe brauchen eine Richtschnur für einen besseren Schutz der Arbeitnehmer vor psychischen Belastungen.“

 

Quelle: WELT 25.04.2019

Beste Sportarten

Die besten Sportarten für die neue Hüfte

Walking statt Wrestling, Rudern statt Rugby, Golf statt Hockey: Warum Low Impact oder Bewegung ohne Überlastung für ein langes Implantat-Leben sorgt.

Mit der zweiten geht man besser. Nicht jeder Besitzer eines Hüftprothesen-Passes wird das jetzt uneingeschränkt bestätigen. Das ändert aber nichts daran, dass die mittlerweile fast hundertjährige Geschichte der Endoprothetik als eine Erfolgsstory gilt, vor allem in den letzten 20 Jahren.

Neue Hüftgelenke sind heute nahezu so belastbar wie das originäre Modell, und beim Sport ist „ob” längst nicht mehr die Frage, sondern „was” und „wie”. Die dazu passende Formel der Fachleute, vom Orthopäden bis zum Sportmediziner, lautet: Low Impact statt High Impact. Auf Deutsch: Bewegung ohne Überlastung und zu hohe Ansprüche. Wandern statt Wrestling, Golf statt Hockey, Rudern statt Rugby.

Früher begannen mit dieser „Versuch´s mal mit mehr Gemütlichkeit”-Variante alle Probleme. Ärzte rieten ihren Patienten lieber, das künstliche Gelenk zu schonen, um vorzeitigem Verschleiß vorzubeugen. Das Gespenst der „Abriebpartikel” ging um, im
Wortsinne, es löste rund um die Prothese Entzündungen aus und schädigte die echte Substanz dermaßen, dass sich das Kunstgelenk lockerte. Eine aufwendige Wechseloperation wurde notwendig.

Inzwischen sind solche Risiken deutlich geringer. Die Entwicklung ist bei hoch widerstandsfähigen Materialien angekommen, die den echten Knochen idealerweise optimal nachahmen, sich mit dem umliegenden Gewebe prima vertragen und quasi in natürlichem Maß abreiben. Normal ist, dass im Lauf der Jahre Prothesenkomponenten verschleißen und/oder der Knochen abnutzt. Nicht normal ist, wenn sich ein künstliches Gelenk lockert. Auch nicht nach zig Millionen Mal drehen, beugen, kippen.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE),die am 7. und 8. Dezember in Düsseldorf ihren Jahreskongress „Endoprothetik auf der Suche nach Perfektion” veranstaltet hat, legt man deshalb großen Wert auf die Feststellung: Nach derzeitigem Wissen ist ein qualitativ hochwertiges, stabil verankertes Hüftmodell mit verschleißresistenten Materialien wichtiger für ein gutes Langzeitergebnis als die Operationsmethode.

Damit sind wesentliche Voraussetzungen für eine stärkere Belastung künstlicher Hüften erfüllt”, sagt Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, der Generalsekretär der Gesellschaft. Heute sei körperliche Aktivität bei allen Patienten nicht nur möglich, sondern ausdrücklich gewünscht. „Es ist allerdings wichtig, dass sie verstehen, wo die Grenzen eines Kunstgelenks sind.”

Die sind ruckzuck erreicht, wenn jemand auf Leistungs-, Spiel- und Kampfsportarten mit hohem „Impact” bzw. hoher Stoßwirkung steht – weil er sich durch schnelle abrupte Richtungswechsel, Stoß-, Dreh- und Scherbelastungen zu viel zumutet. Da kann der Hüftkopf schon mal aus der Pfanne kugeln. Auch ein Sturz ist unangenehmer als für Menschen ohne Ersatzgelenk, es drohen komplizierte Knochenbrüche. Insgesamt wird der Verschleiß durch Sport wie diesen naturgemäß beschleunigt, das hässliche Wort der Abriebpartikel steht wieder im Raum.

Die „Ja, nein, vielleicht”-Empfehlungen der Fachgesellschaften (unter anderem Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention) verweisen Fuß- und Handball, Hockey, Klettern, Mountainbiking, Snowboarding, Squash, Turnen, Volleyball, Boxen, Judo oder Karate somit in den roten Bereich. Dagegen wirken gut dosierte fließende Bewegungen der Abnutzung entgegen; sie kräftigen die Muskulatur, entlasten Gelenke und Bandscheiben und tragen dazu bei, dass das Kunstgelenk fest im Knochen liegt.

Standzeit von rund 20 Jahren

Das wiederum verlängert die Haltbarkeit, Experten sprechen von einer Standzeit, die heute bei rund 20 Jahren liegt. Und es verringern sich die Verletzungsgefahren im Alltag. Entsprechend gilt ein niedriger Impact auf die neue Hüfte als das Beste, was ihr passieren kann.

Nie also hat Knochenarbeit mehr Spaß gemacht als mit den klassischen Ausdauersportarten wie Aquafitness und Aquajogging, (Rücken-)Schwimmen und Kraulen, Golf (ohne Spikes), Walking, Radfahren, Wandern, Rudern, Tanzen. Mit kleinen Einheiten aus diesem Spektrum lassen sich vielleicht sogar Couchpotatoes motivieren, für die nun erst recht gilt: mitmachen erwünscht. „Letztlich ist es eine sehr individuelle Entscheidung, wer postoperativ was macht”, sagt Orthopäde Heller, der Chefarzt der Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig ist.

Zumal, je sportlicher die künftigen Träger einer neuen Hüfte sind, umso besser werden sie nach der OP regenerieren. Wer vorher eine Sportart gut beherrscht hat, kann in aller Regel wieder und vor allem schneller wieder einsteigen. Drei Monate sollten mindestens vergehen, besser sind sechs. Dann könnte es sogar mit dem Lieblingssport von höherem Impact-Wert klappen, sei es Reiten, Alpin-Ski, Bowling oder Pilates. Über Sinnhaftigkeit und mögliche Folgen fürs Gelenk sollte man mit dem Arzt seines Vertrauens reden.

Und dann ist da noch der Chirurg. Er sollte ein ausgewiesener Fachmann sein, der die Krankengeschichte seiner Patienten kennt. Das betrifft auch den richtigen Zeitpunkt, die Entscheidung für ein künstliches Hüftgelenk trifft man schließlich nicht mal eben so. Sie ist häufig mit Unsicherheiten und Ängsten verbunden. Erfahrene Ärzte berücksichtigen das und nehmen sich vor der Operation genug Zeit, um mit ihren Kandidaten zu besprechen, welcher Sport sich für ihr Alter, ihre Lebenssituation und ihre Ansprüche eignen. Danach wird der Prothesentyp einschließlich Material und Art der Verankerung bestimmt.

Je gewissenhafter und detaillierter die Vorbereitungen sind, umso seltener kommt es später zu Fehlpositionen und Reibungsverlusten. Einerseits. Andererseits können eventuell auftretende Komplikationen sicher bewältigt werden. In diesem Sinne kann es sich lohnen, die Operation in einer der 525 Kliniken (Stand: 31.12.2017) durchführen zu lassen, die mit einem EndoCert-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie zertifiziert sind.

Diese Expertise soll hierzulande die Patientensicherheit und Behandlungsqualität beim Gelenkersatz steigern. Seit Ende 2012 können sich Kliniken als EndoProthetikZentrum zertifizieren lassen. Das System gilt als das weltweit erste in der Endoprothetik.

Wer sich in einem derart ausgezeichneten Haus behandeln lässt, kann sicher sein, dass man sich dort intensiv mit dem Thema des Gelenksersatzes für Hüften (oder auch Knie) auseinandersetzt und die Qualitätsanforderungen der Fachgesellschaften erfüllt. Zu dem Zweck müssen mindestens 100 endoprothetische Eingriffe jährlich durchgeführt werden, heißt es im EndoCert® -Jahresbericht 2018. Jeder einzelne Hauptoperateur muss wenigstens 50 Mal im Jahr operieren.

Nicht zuletzt haben sich die Häuser verpflichtet, alle Behandlungsergebnisse konsequent zu überprüfen, Komplikationen zu erfassen und sich am Endoprothesenregister Deutschland zu beteiligen. Das beruhigt, immerhin ist eine Hüftprothese, total oder teilweise, doch eine große Sache für den Organismus.

Und eine der lukrativsten fürs Krankenhaus. Mit mehr als 440.000 Gelenkoperationen pro Jahr (Hüfte und Knie) allein in Deutschland gehört der Einbau des einen oder anderen Gelenks längst zum Standard. Bei aller Routine sind Erfahrung und Können gefragt. Trotzdem sind die qualitativen Unterschiede enorm.

Sport fürs Kunstgelenk

Ein entscheidender Faktor für das große Glück neuer Lebensqualität und langer Lebensdauer des Ersatzgelenks ist körperliche Aktivität. Optimal sind drei Mal pro Woche á 45 bis 60 Minuten.

Ja: Aerobic (ohne Sprünge), Aquajogging, Wandern und Bergwandern (mit Stöcken zur Abminderung von Stoßbelastungen), Bowling, Darts, Ergometertraining, Golf, Gymnastik, Krafttraining (angeleitet durch eine Fachkraft), Laufen (Laufband), Radfahren, Reiten, Rudern, Schwimmen,Tennis (Doppel)(2), Tanzen, (Nordic-)Walking

Vielleicht: Aerobic (mit Sprüngen)(3), Bowling, Eislaufen(3), Gewichtheben, Inline-Skating(3), Krafttraining (selbstständig), Laufen(3), Pilates, Ski Alpin, Tennis (Einzel)(1), Tischtennis

Nein: Badminton(1), Baseball, Basketball, Fußball, Handball, Hockey, Klettern, Mountainbiking, Snowboarding, Squash, Turnen, Volleyball, Zweikampfsportarten(1)

In der Literatur verschiedener Fachgesellschaften: 1 unklare oder keine Zuordnung; 2 teilweise “eingeschränkt empfohlen”; 3 teilweise “nicht empfohlen”
Quelle: Cassel M, Brecht P, Günther K-P, Mayer F. Endoprothesen und Sport. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 2017; 68: 38-42

 

Quelle: Handelsblatt 15.01.2019

Migräne kostet deutsche Wirtschaft jährlich fast 150 Milliarden Euro

Die Kopfschmerzattacken führen jährlich zu Ausfällen von 1,9 Millionen Arbeitsstunden, zeigt eine Studie. Neuartige Migräne-Mittel versprechen Abhilfe – für Mensch und Wirtschaft.

Mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Migräne. Die plötzlich auftretenden schweren Kopfschmerzen bedeuten nicht nur erhebliche Einschränkungen für die Betroffenen, sondern kosten die deutsche Volkswirtschaft auch Wertschöpfung und zwar durchschnittlich rund 146 Milliarden Euro pro Jahr. Das hat jetzt das Wifor-Instituts aus Darmstadt ausgerechnet.

„Wir wollten zeigen, wie eine Gesellschaft durch eine Krankheit belastet werden kann“, sagt Dennis Ostwald, Geschäftsführer des Instituts. Die Belastungen durch Migräne zählen zu den höchsten unter den neurologischen Erkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation listet Migräne zu den zehn häufigsten Gründen, warum Menschen jahrelang mit Einschränkungen leben müssen.

Während einer Migräne-Attacke sind viele Betroffene nicht in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen, müssen sich teils für Stunden in einen abgedunkelten Raum zurückziehen. Bei stark betroffenen Migräne-Patienten sind Fehlzeiten von einer Woche im Monat keine Seltenheit, zeigen Befragungen. Migräne tritt zudem häufig im produktiven Alter zwischen 35 und 45 Jahren auf, Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Nach den Berechnungen des Wifor-Instituts gehen wegen Migräne in Deutschland im Durchschnitt jedes Jahr 1,9 Millionen Stunden bezahlter und unbezahlter Arbeit verloren, das sind etwa 3,2 Prozent der geleisteten Arbeitsstunden insgesamt. Die verlorenen 145,6 Milliarden Euro Wertschöpfung, die durch Migräne bedingt sind, entsprechen etwa 4,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes 2017. „Der Impact von Migräne ist fast vergleichbar mit dem jährlichen Beitrag der gesamten deutschen Automobilindustrie zum Bruttoinlandsprodukt“, sagt Wifor-Geschäftsführer Dennis Ostwald.

Quelle: ARIVA 26.11.2018 von Handelsblatt